05/09/2026 0 Kommentare
Partnerschaftsvereinbarung des Kirchenkreises mit ägyptischer Nilsynode
Partnerschaftsvereinbarung des Kirchenkreises mit ägyptischer Nilsynode
# Neues aus dem Evangelischen Kirchenkreis Havelland ...

Partnerschaftsvereinbarung des Kirchenkreises mit ägyptischer Nilsynode
28.08.2026 | Matthias Nöther
Seit 2019 verbindet den Evangelischen Kirchenkreis Havelland eine ökumenische Partnerschaft mit Gemeinden der protestantischen Nilsynode in Ägypten. Begründet wurde sie am 30. Oktober 2019 vom damaligen Evangelischen Kirchenkreis Falkensee. Partner sind die Gemeinden in Alexandria El-Bitash mit Pfarrer Yousri Girgis und in Zagazig mit Pfarrer Dr. Wael Boulis. Nach der Fusion der Kirchenkreise Falkensee und Nauen-Rathenow soll die Partnerschaft nun mit einer neuen Vereinbarung verbindlich fortgeführt werden.

Pfarrkonvent des Kirchenkreises in der Lutherkirche Rathenow am 26. August 2026 - mit Gastreferent Saher Youssef aus Ägypten.
Vereinbarung stärkt Partnerschaft mit ägyptischen Gemeinden
Seit 2019 verbindet den Evangelischen Kirchenkreis Havelland eine ökumenische Partnerschaft mit Gemeinden der protestantischen Nilsynode in Ägypten. Begründet wurde sie am 30. Oktober 2019 vom damaligen Evangelischen Kirchenkreis Falkensee. Partner sind die Gemeinden in Alexandria El-Bitash mit Pfarrer Yousri Girgis und in Zagazig mit Pfarrer Dr. Wael Boulis. Nach der Fusion der Kirchenkreise Falkensee und Nauen-Rathenow soll die Partnerschaft nun mit einer neuen Vereinbarung verbindlich fortgeführt werden.
Beim Pfarrkonvent des Kirchenkreises am 26. August stand die Partnerschaft im Mittelpunkt eines thematischen Schwerpunkts. Ziel war es, auch den früheren Kirchenkreis Nauen-Rathenow mit der Geschichte und den bisherigen Erfahrungen vertraut zu machen und für die Fortführung der Beziehungen zu gewinnen. Als Gastreferent war Saher Youssef eingeladen, der aus Ägypten stammt und in Deutschland Betriebswirtschaft studiert. Sein Vater ist Pfarrer und bekleidet außerdem ein höheres Amt in der Nilsynode.
Ein Land mit einer sehr alten christlichen Geschichte
Youssef gab einen Einblick in die Situation des Christentums in Ägypten und in die Struktur der Nilsynode. Dabei ging es auch um einen Aspekt, der in Deutschland häufig wenig präsent ist: Ägypten besitzt eine sehr alte christliche Geschichte. Die Überlieferung vom Aufenthalt der Heiligen Familie während der Flucht vor Herodes ist dort bis heute präsent. Zahlreiche Kirchen und andere christliche Orte erinnern daran. Ägypten ist damit ein wichtiger Ort der frühen Geschichte des Christentums.
Gleichzeitig ist das Christentum heute eine Minderheitsreligion. Ägyptische Muslime, die den christlichen Glauben annehmen, sind nach den Gesetzen des Landes von der Todesstrafe bedroht. Neben der koptisch-orthodoxen Kirche gibt es in Ägypten auch evangelische Christen. Die protestantische Nilsynode, die presbyterianisch geprägt ist, bildet einen Teil dieser christlichen Landschaft.
Youssef stellte beim Pfarrkonvent auch die praktische Arbeit der Nilsynode vor. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Bildungsbereich. Zur Kirche gehören Schulen, die einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung der kirchlichen Arbeit leisten. Auch im Gesundheitswesen ist die Nilsynode engagiert und unterhält christliche Krankenhauseinrichtungen.
Von ersten Kontakten zur verbindlichen Partnerschaft
Die Partnerschaft geht auf eine Explorationsreise von Jonathan Schmidt und der damaligen Beauftragten für Geflüchtete, Luisa Sinate, im Jahr 2019 zurück. Nach dem Besuch der beiden ägyptischen Pfarrehepaare im Oktober desselben Jahres wurde die Partnerschaft mit einem symbolischen Bibeltausch begründet. Wegen der Corona-Pandemie konnte der offizielle Gegenbesuch aus dem Kirchenkreis erst im April 2022 stattfinden.
Seitdem wird die Partnerschaft durch gegenseitige Besuche, regelmäßige Korrespondenz, Informationsaustausch – insbesondere per Zoom – und gegenseitige Fürbitten gestaltet. 2023 und 2024 fanden Jugendbegegnungen statt. Im Frühjahr 2025 besuchten Pfarrer Dr. Bernhard Schmidt und Jonathan Schmidt erneut das Nildelta. Neben Zagazig und Alexandria stand dabei erstmals auch die protestantische Gemeinde in Ismailia am Suez-Kanal auf dem Programm.
Mit der neuen Partnerschaftsvereinbarung soll die gewachsene Beziehung nun im fusionierten Kirchenkreis Havelland verbindlich fortgeführt werden. Zunächst sind zwei Gemeinden fest vorgesehen. Über die Einbeziehung einer dritten Gemeinde wird noch verhandelt. Für die kommenden Jahre sind außerdem weitere gegenseitige Jugendbegegnungen geplant sowie Begegnungen im Rahmen des Freiwilligenprogramms des Berliner Missionswerks.
Begegnungen, die über den Kirchenraum hinausführen
Die bisherigen Austausche haben den Beteiligten Einblicke in die Lebenswirklichkeit der jeweils anderen Seite ermöglicht. Bei der Jugendbegegnung in Ägypten 2023 lernten Jugendliche aus dem Havelland gemeinsam mit ihren Gastgebern christliche Stätten, Alexandria und die Pyramiden kennen. Der Gegenbesuch führte ägyptische Jugendliche 2024 unter anderem nach Berlin und in Kirchen im Havelland.
Auch die Besuche von Pfarrpersonen gehören zur Partnerschaft. Bei seiner Reise 2025 nahm Bernhard Schmidt unter anderem an Gottesdiensten in Ismailia und Zagazig teil und predigte in Zagazig. In Alexandria besuchte er die Gemeinde in El-Bitash. Dort war mit Spendengeldern unter anderem ein neuer Kirchsaal entstanden. In Gesprächen ging es auch um die Freuden und Sorgen der Gemeinden, die sich deutlich von denen vieler deutscher Gemeinden unterscheiden: Sie sind jung und wachsen, zugleich sind Armut und die gesellschaftliche Situation in Ägypten Herausforderungen.
Warum ausgerechnet Ägypten?
Eine Partnerschaft mit Ägypten ist für viele Menschen zunächst weniger naheliegend als eine Verbindung mit einem europäischen Land. Bei Griechenland etwa sind kulturelle und touristische Bezüge schnell hergestellt. Ägypten wird dagegen vor allem mit anderen Bildern verbunden.
Gerade deshalb eröffnet die Partnerschaft eine besondere Perspektive. Sie macht eine christliche Wirklichkeit sichtbar, die in Deutschland wenig bekannt ist: In Ägypten leben Christen als Minderheit in einem überwiegend muslimisch geprägten Land. Zugleich reicht die Geschichte des Christentums dort bis in die frühe Zeit der Kirche zurück.
Die Partnerschaft ermöglicht damit einen Perspektivwechsel. Sie richtet den Blick nicht nur auf die unterschiedlichen Lebensbedingungen in Ägypten und Deutschland, sondern auch auf gemeinsame Erfahrungen des christlichen Glaubens. Begegnungen und Austausch können das Verständnis dafür vertiefen, was es bedeutet, Kirche in unterschiedlichen gesellschaftlichen Situationen zu sein.
Für den Kirchenkreis Havelland bedeutet die neue Vereinbarung deshalb mehr als die Fortsetzung eines bestehenden Kontakts. Die bisher vor allem im Kirchenkreis Falkensee gewachsene Beziehung wird damit zu einer gemeinsamen Partnerschaft des neuen Kirchenkreises. Sie lebt von persönlichen Begegnungen, gegenseitigen Besuchen und der Bereitschaft, die kirchliche und gesellschaftliche Wirklichkeit des jeweils anderen Landes kennenzulernen.
Kommentare